INTERESSENGEMEINSCHAFT HEIMATGESCHICHTE KARLSHAGEN E.V.




DER BEGRÜNDER DES SEEBADES
CARLSHAGEN – HUGO ELSNER

Hugo Elsner war ein Berliner Architekt, der in beson­derer Weise mit dem Bade­ort Karlshagen ver­bun­den war und maß­geb­lich die En­tste­hung des See­bades Karlshagen beein­flusst hat.


Er wurde am 22. De­zem­ber 1858 in Glogau (Schle­sien) geboren und starb am 15. April 1936 in Berlin. Er war ver­heira­tet und hatte zwei Kinder.


Wie Hugo Elsner erst­malig nach Karlshagen kam, lässt sich nicht mehr eindeu­tig bele­gen. Um die Ent­deckung und Erschlie­ßung des Karlsha­gener Stran­des ranken sich meh­rere Ver­sionen, die in der 2009 heraus­gege­benen Bro­schüre von Franz Brauns beschrie­ben wurden. Am wahr­schein­lichsten erscheint heute folgende:


Es ist anzu­nehmen, dass Hugo Elsner bereits Anfang der Achtziger­jahre des 19. Jahr­hun­derts in Zinno­witz als Bade­gast weilte. Zinnowitz war zu dieser Zeit bereits ein auch in Berlin bekann­ter Bade­ort, der von gut betuch­ten Berlinern in den Sommer­mona­ten zur Erho­lung besucht wurde. Hugo Elsner zählte als Architekt und Bau­meister zweifel­los zur wohl­haben­den Schicht und hatte in Berlin gute Verbin­dun­gen zu Regie­rungs-, Wirt­schafts- und Kir­chen­kreisen.


Von Zinnowitz aus unter­nahmen in dieser Zeit einige Bade­gäste Aus­flüge mit dem Boot ent­lang der Küste in Richtung Karlshagen. Unter ihnen dürfte auch Hugo Elsner gewe­sen sein, der die Vorzüge des Karlshagener Stran­des erkannte und bald eine Unter­neh­mung startete, die schließ­lich als Grün­dungs­vorgang in die Geschich­te Ostsee­bades Karlshagen einging. Er selbst betonte später ande­ren gegen­über des öfte­ren, dass er den Bade­ort Karlshagen ins Leben geru­fen hätte. Im Jahre 1884 erwarb er von der Stadt Wolgast ein Grund­stück am Karlshagener Strand und baute darauf 1885 eine Strand­halle mit Logier­haus, welches kurze Zeit später in Strand­hotel umbe­nannt und zum Aus­gangs­punkt für den Bau weite­rer Ferien­domizile wurde.


Zu dieser Zeit gehör­te der Norden der Insel Usedom zum Wolgaster Stadt­forst, auf dessen Gebiet die weitere Be­bauung am Strand statt­fand. Es dauerte nicht lange, und es fan­den sich etliche Nach­ahmer, die hier eben­falls Ferien­unter­künfte errich­te­ten. So ent­stand neben dem Fischer­dorf Karlshagen eine Strand­siedlung, die aus­schließ­lich vom Bade­betrieb lebte. Es ent­wickel­ten sich daraus offen­sicht­lich gute Bezie­hung zwischen den Villen­besitzern der Strand­siedlung und dem Wolgaster Magistrat.

Hugo Elsner weilte seit dem Bau des Strand­hotels über viele Jahre in den Sommer­monaten mit seiner Familie in Karlshagen, und es ent­stand daraus eine enge Verbun­den­heit mit dem Ort, die ihn zu weit­eren Hand­lungen für die Orts­entwick­lung antrieb. Er fühlte sich offen­sicht­lich in gewisser Hin­sicht als Einwo­hner. In einer Auf­listung des Land­kreises Usedom/​Wollin wird er 1909 noch Grund­stücks­eigen­tümer geführt.

Das Bild von Hugo Elsner ent­stammt der ersten im Jahre 1895 von Paul Gisbert ver­öffent­lich­ten Bade­bro­schüre über das Ost­see­bad Carlshagen.


Das nachfolgend abgebildete Foto ist die älteste in unse­rem Archiv vorhan­dene Abbildung des Strand­hotels, das noch vor 1900 entstan­den sein dürfte. Strandhotel Karlshagen

Das Fischerdorf Carlshagen hatte seit seiner Grün­dung im Jahre 1829 keine eigene Kirche, sondern war der Kir­chen­gemein­de Krummin zuge­hörig. Neben dem dor­tigen Pfarrer war es insbe­son­dere Elsner, der sich ab Ende des 19. Jahr­hun­derts für den Bau einer Kirche in Karlshagen einsetz­te.


Im Jahre 1899 schrieb er ein Bittgesuch an die Kaiserin, worin er um Unter­stüt­zung für den Kirchbau bat. Er ini­tiier­te die Bildung eines Kirchbau­komitees und über­nahm ins­beson­dere die Orga­nisa­tion zur Beschaf­fung der erfor­der­lichen Gelder, die durch Samm­lun­gen, Wohl­tätig­keits­veran­stal­tungen und Spenden rei­cher Gön­ner aufge­bracht wer­den soll­ten. Dazu nutzte er auch seine guten Bezie­hu­ngen zu ein­fluss­reichen Personen in Regie­rungs- und Kirchen­krei­sen.


Er fer­tigte auch die erste Projekt­zeich­nung der neuen Kirche an und erklär­te sich bereit, das Pro­jekt als Archi­tekt ver­antwort­lich zu beglei­ten. Die Abbil­dung zeigt die von Elsner entwor­fene Kirche. Diese sollte ursprüng­lich in Strand­nähe im Bereich der Strand­sied­lung gebaut werde, wofür die Stadt Wolgast einen Bau­platz zur Verfü­gung stellte.

Projektzeichnung Kirche Karlshagen

Es stellte sich jedoch bald heraus, dass der Weg zu einer Kir­che mit vielen Hin­der­nissen ge­pflas­tert war, und es noch 12 Jahre dauern sollte, bis die Karlsha­gener Kirche end­lich an einer ande­ren Stelle gebaut werden konnte.


Die Hauptlast bei der Über­windung der im Laufe der Zeit sich auf­türmenden Pro­bleme trugen dabei der in Krummin resi­dieren­de und für Karlshagen zu­stän­di­ge Pfarrer Walter Fischer und Hugo Elsner. Dabei musste Elsner die bitte­re Pille schlucken, dass die Kirche nicht nach seinem sondern nach einem Entwurf der Regie­rung gebaut wurde. Es spricht jedoch für ihn, dass er sich unab­lässig wei­ter für den Bau ein­setzte.


Alle Betei­lig­ten waren schließ­lich erleich­tert, als im Sep­tem­ber 1911 der Grund­stein zum Bau gelegt und die Kirche im Juli 1912 ein­ge­weiht wurde. Als späte Genug­tuung wur­den Pastor Walter Fischer und Hugo Elsner für ihre außer­gewöhn­lichen Anstren­gun­gen noch im sel­ben Monat vom Preußi­schen Staat mit dem Roten Adler Orden 4. Klasse geehrt.


In den folgenden Jahren sind keine Belege mehr für weitere Besuche oder sonstige Aktivi­täten von Elsner in Karlshagen bekannt.


Auch seine Frau Anna Luise Elsner weilte ab 1885 über viele Jahre während der Sommer­mona­te in Karlshagen. Sie war offen­sicht­lich künst­le­risch inte­ressiert und ver­suchte den anson­sten wenig Ab­wechs­lung ver­spre­chen­den Bade­aufent­halt zu bele­ben.


Ihr sagt man nach, dass sie ein soge­nann­tes Strand­buch ein­führ­te, in das die Gäste ihre Ein­drücke vom Bade­leben, aber auch poe­ti­sche Ergüsse ein­tragen konnten.


Aus diesem Buch soll auch das bekann­te Gedicht über die Er­schaf­fung von Usedom stam­men. Daneben war sie auch zeichne­risch begabt, wie die von ihr ge­zeichne­ten und unten einge­füg­ten Post­karte an Pastor Fischer zu ent­neh­men ist. Postkarte Karlshagen



Da aus heutiger Sicht Hugo Elsner als Gründer des Bade­ortes Karls­hagen ange­sehen werden kann, erhielt 2007 die bisher unbe­nannte Garagen­straße zwischen Straße der Freund­schaft und Strand nach einer umfang­reichen Sanie­rung den Namen „Hugo Elsner Straße“. Hugo Elsner Straße Karlshagen